Donnerstag, 26. Mai 2016

Nach Deutschland oder in die Schweiz?

Wohin sollen jüdische Israelis gehen, wenn sie in Tel Aviv sitzen und einen neuen Ort suchen? Berlin? Also Deutschland. Aber mit der Geschichte? Doch es ist immerhin Berlin, die Weltstadt. Oder in die Schweiz? Zürich, Basel, Bern oder Genf wären auch eine Möglichkeit. Warum suche ich überhaupt einen neuen Ort? Sind es rein ökonomische Gründe, platt gesagt, geht es um den Preis für Hüttenkäse und Schoggipudding in Israel? Berlin ist günstig – aber Zürich? Oder geht es um ein Lösen vom israelischen Narrativ und dafür ein deutsches oder schweizerisches Narrativ einzutauschen? Und was erwartet Israelis in beiden Ländern? Von einem munteren Willkommen bis zur Reduktion auf die Ansichten der aktuellen israelischen Regierung kann alles drin liegen.

Über diese Fragen spricht zunächst Dani Kranz von der Stiftung Wissenschaft und Politik (Berlin) mit dem Fokus Berlin. Anschliessend setzt der Zürcher Historiker Ralph Weingarten den Fokus afu die Schweiz. Schweiz. Erik Petry leitet nach den Inputs eine Gesprächsrunde mit den beiden Vortragenden, bei der auch die Fragen aus dem Publikum einbezogen werden.


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Jüdische Migration nach Deutschland und in die Schweiz.
Montag, 30. Mai, 2016, 19.30 Uhr, Universität Zürich, Theologisches Seminar, Kirchgasse 9, Raum 200.



Die Abendveranstaltung findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe «La Suisse existe - La Suisse n'existe pas» statt.



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Wohnen hat viel mit Wohlbefinden zu tun

Die SAGW-Veranstaltungsreihe widmet sich 2016/17 dem Thema «Wohlfahrt und Wohlbefinden». Die Nationale Informationsstelle zum Kulturerbe NIKE hat dazu die Veranstaltung «Geborgen im Raum? Neuer Wohnraum im Spannungsfeld von Verdichtung und Bestand» am Abend des 2. Mai im Berner GenerationenHaus organisiert. Rund 80 Gäste sind der Einladung zu Referaten und Podiumsdiskussion gefolgt. Sie hörten zwei spannende Referate und erlebten eine lebhafte Diskussion, souverän moderiert von der SRF-Kulturredaktorin Karin Salm.


Von Dichtestress zu Dichtequalität
Die Soziologin Margrit Hugentobler vom ETH Wohnforum − ETH Case eröffnete die Runde mit einem Inputreferat zu den baulichen, sozial-interaktiven und funktionalen Dichtequalitäten. Sie ging auf die unterschiedlichen Definitionen von Dichte ein. Die Vorstellungen darüber hängen ab von persönlichen Präferenzen, individuellen Lebenserfahrungen, Wohnsituationen und Lebensstilen, aber auch davon, ob jemand in städtischem oder ländlichem Umfeld aufgewachsen ist. Der Dichtestress wird z. B. am grössten in Appenzell empfunden. Meist wird unter Dichte nur die bauliche Dichte verstanden. Dabei geht es um den Ausnutzungsgrad eines Grundstücks: In Paris leben 21 000 Personen pro km2, in Wien 4400, in Zürich 4200, in Bern 2400. Genauso wichtig sind auch gesellschaftlich-raumplanerische Aspekte wie Zersiedelung, Flächenkonsum, Mobilitäts- und Infrastrukturkosten und Aspekte der sozialen und funktionalen Dichte. Unter sozialer Dichte bzw. Interaktionsdichte werden die Intensität und Wechselwirkungen zwischen Bewohnern bzw. Beschäftigten in einem bestimmten Raum verstanden. Unter funktionaler Dichte versteht man die unterschiedlichen Nutzungen wie Wohnen, Gewerbe, Bildungs- und Versorgungseinrichtungen in einem Raum. Der Bezug von baulicher, sozialer und funktionaler Dichte macht Urbanität aus. Im Gegensatz zu der Landflucht der 1970er- und 1980er-Jahre gewinnt heute das urbane Leben zunehmend an Attraktivität. Der Trend geht «zurück in die Stadt». Ihre Ausführungen belegte sie mit zwei Beispielen aus Zürich: dem Neubau Kalkbreite und der Sanierung der denkmalgeschützten ABZ-Siedlung Sihlfeld. Beide zeigen eindrucksvoll, was eine qualitätssteigernde städtische Verdichtung sein kann. Ihr Fazit: Um bauliche, soziale und funktionale Dichtequalitäten zu erreichen, müssen Stadt-/Siedlungsentwicklung und Sozialplanung als Einheit gesehen, bauliche und gestalterische Qualitäten im Kontext eines Quartiers verstanden, öffentliche Räume sorgfältig gestaltet und gemeinschaftliche Infrastrukturen effizient genutzt werden.

Sanierung von Siedlungen: Ersatzneubau als einzige Lösung?
Daniel Kurz, Historiker und Chefredaktor von werk, bauen + wohnen, warf in seinem Referat einen Blick zurück auf die Wohnsiedlungen des 20. Jahrhunderts und fragte nach deren Tauglichkeit für die Zukunft. Der Bedarf an neuem Wohnraum ist in den letzten 15 Jahren gewachsen. Die Stadtbevölkerung in Zürich nahm um 50 000, diejenige in Bern um 14 000 zu. In den 1920er-Jahren ging es darum, die sehr grosse Dichte in den Städten, mit der Raum- und soziale Not einhergingen, zu reduzieren. Als Lösung wurde die Gartenstadt propagiert, die von Baugenossenschaften und öffentlichen Stellen gefördert wurde. Mit ihr kamen Licht, Luft und Hygiene in die Wohnungen, und die Genossenschaftsmitglieder, die nun Mitbesitzer ihrer Siedlungen waren, erlebten einen sozialen Aufstieg. So entstanden die Eisenbahnersiedlungen Weissenstein in Bern oder Geissenstein in Luzern, das Zürcher Sihlfeld- und das Lettenquartier und die Gartenstädte Entlisberg und Friesenberg in Zürich. Die Strassen wurden breiter, es gab öffentliche Grünflächen, aber auf Kosten der Wohnfläche. Wichtiger als Freiräume waren Gleichheit, Ordnung und günstige Wohnungen, oft 3-Zimmer-Wohnungen für eine Familie. Diese in die Jahre gekommenen Siedlungen müssen nun erneuert werden. Welche Strategien kommen zur Anwendung? Sanfte Sanierungen ohne Komfortsteigerung, teure Standardverbesserungen bezüglich Energie, Komfort, Fläche oder Ersatzneubauten? Aus Kosten- und Verdichtungsgründen sowie wegen höheren Ansprüchen der Bewohner wird oft der Ersatzneubau gewählt, vor allem in Zürich, wo zurzeit eine richtiggehende Ersatzneubauwelle im Gange ist. Der Ersatzneubau hat Einfluss auf die Stadtstruktur, die Gartenstadt ist nicht mehr die einzige Leitidee. Nicht vernachlässigt werden darf dabei, wie Daniel Kurz ausführte, die funktionale Dichte. Aber auch Instandsetzungen sieht er als mögliche Strategie, vor allem für denkmalgeschützte Objekte, und als Möglichkeit, günstigen Wohnraum für Junge, WGs und Alleinerziehende zu erhalten.

Podium: Sanft renovieren oder ersetzen?
Das Podium eröffnete Karin Salm mit der Frage ans Publikum: Wofür würden Sie einstehen: eher sanft renovieren oder ersetzen? Nur wenige waren für den Ersatzneubau, aber die Meinungen waren noch nicht gemacht. Für Jean-Daniel Gross, Denkmalpfleger von Bern, ist die Frage der Verdichtung komplex, es gilt Eigentumsrechte, denkmalgeschützte Bauten und Regeln des Landschaftsschutzes zu beachten. «Verdichtet», sagte er, «wird heute oft da, wo es möglich ist, bei Baugenossenschaften, und nicht da, wo es wünschbar wäre, z. B. im periurbanen Raum der Einfamilienhäuser.» Auch werde auf das durchmischte Wohnen, die funktionale Dichte, zu wenig Gewicht gelegt. Die Architektur hat seiner Meinung nach darauf keine Antwort. Michael Hauser, Stadtbaumeister von Winterthur, meint, dass die Bestände aus den 1920er/1930er-Jahren eher erhalten werden. Den Ersatzneubau sieht er bei den Bauten aus den 1940er/1950er-Jahren, da diese eine schlechtere Energiebilanz und unvorteilhaftere Grundrisse aufwiesen. Er plädierte in jedem Fall für ein kooperatives Vorgehen aller Beteiligten. «Es braucht Lockerungsübungen, diese benötigen Zeit, letztlich lohnen sie sich aber für ein gelungenes und breit akzeptiertes Resultat.» Er glaubt auch, dass kleinteilige Nutzungen im Erdgeschoss möglich sind. Margrit Hugentobler betonte, dass schon beim Bauen die sozialen Problematiken berücksichtigt werden sollten. Auch für sie sind Erdgeschoss-Nutzungen für die funktionale Dichte notwendig. Reto Bieli von der Kantonalen Denkmalpflege Basel-Stadt wies auf die zweijährige Studie Mikroinvasive Massnahmen zum verdichteten Umbau von Wohnbauten und –siedlungen hin, die zeigte, dass der Einbezug der Bewohner nur schon für kleinste Eingriffe sehr wichtig ist und sich, obwohl aufwendig, lohnt. Für Maria Lezzi, Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung ARE, ist ein situatives Reagieren entscheidend: «Dort etwas ins Rollen bringen, wo sich schon etwas bewegt, wo ein Treiber ist.» Auch hält sie ein transparentes Vorgehen der Behörden und institutionalisierte Qualitätsverfahren für unabdingbar. Eine Vertreterin aus der Gemeinde Schlieren, die 40 Prozent Neuzuzüger hat, berichtete, dass sie quartierweise Partizipationsanlässe durchgeführt hätten, z. B. für einen Stadtplatz, und dass dieser offene Prozess auf breite Zustimmung der Bevölkerung gestossen sei. Allerdings brauche es Mut, offene Kommunikation und verlässliche Durchführung der beschlossenen Massnahmen. Margrit Hugentobler wies darauf hin, dass Prozesse auf dem Land oft von Personen angestossen werden müssten und dass es Vorstellungsbilder brauche. Aus dem Publikum wurde auch darauf hingewiesen, dass Nachverdichtungen in Einfamilienhausquartieren nicht zu Zufallsstädtebau führen dürften. Die engagierte Diskussion hätte noch weitergeführt werden können, hätte nicht die fortgeschrittene Zeit und der Apéritif gerufen. Cordula Kessler, Geschäftsführerin von NIKE, dankte allen für die engagierten und erhellenden Voten, hielt fest, dass viele Fragen notgedrungen offenblieben, dass die Diskussion gezeigt habe, dass Fragen der Verdichtung am besten aus dem Kontext und unter Einbezug aller Beteiligten entschieden würden und die kulturelle Vielfalt auf jeden Fall erhalten bleiben müsse.

NIKE, 19.5.2016





Donnerstag, 21. April 2016

„So viel Migration in allen Zeiten!“ ruft Melanie erstaunt(w, 23, CH)

Tagungsbericht über den Anlass vom 16. April 2016: «Fremde Knochen in Schweizer Boden? Migration im Spiegel der Archäologie»


Beitrag von Simon Kübler, Student an der Universität Basel


Und nicht nur sie: Über zweihundert Interessierte, vom dreijährigen Knirps bis zum über achtzigjährigen Greis, haben an der Veranstaltung „Fremde Knochen in Schweizer Boden?“ (Archäologie Schweiz/IPNA Uni Basel) die vielfältigen Informationen zum Thema „Migration im Spiegel der Archäologie“ förmlich aufgesogen. Studierende hatten die Vorgehensweise und die Resultate attraktiv und zugleich wissenschaftlich korrekt aufbereitet und dazu Infostände am Rand des samstäglichen Flohmarkts aufgebaut – ein Angebot, das viele Passantinnen und Passanten nutzten. Mit der schweigenden, aber wirkungsvollen Mitarbeit zweier künstlicher Skelette wurde ihnen die Spurensuche nach fremden Kultureinflüssen oder nach der Herkunft von Menschen dargelegt. In angeregten Gesprächen wurden an den Infoständen über die Herkunft der „ersten Europäer“ debattiert und die Erkenntnisse der Archäologie mit vielen Objekten illustriert. Vertieft wurde das Thema in Kurzvorträgen, die ebenfalls regen Anklang fanden.


Dass selbst als ur-schweizerisch taxierte Speisen nicht „schon immer“ in unserem Land vorhanden waren, lernten die Besucher/innen an einem weiteren Stand – und das nicht nur in Form trockener Erkenntnisse, sondern ganz direkt in Form von Olivenbrötchen, mit Honig verfeinertem Getreidebrei, kräutergewürztem Brotaufstrich und Rösti. Schnell wurde klar, dass die Römer mit ihren Nahrungsgewohnheiten, aber auch mit neu eingeführten Pflanzen wie dem Nussbaum, der Kirche , der Petersilie und vielen weiteren den Speiseplan der Schweiz sehr bereichert haben. Einen weiteren Sprung bewirkte die Entdeckung der neuen Welt, mit der sich ganz neue kulinarische Möglichkeiten aufgetan haben – Kartoffel, Tomate, Mais, Kakao sind erst seit jener Zeit hier bekannt.

In vielen unterschiedlichen Beispielen wurde veranschaulicht, dass Migration kein Phänomen der Moderne ist. So wurde erklärt, dass Spurenelemente in Knochen und Zähnen verraten, wo jemand aufgewachsen ist, ob er oder sie also einheimisch oder immigriert war. Die Reste alter DNA erlaubten es, die Heimat der ersten Bauern in Europa zu rekonstruieren.


Manche der Besucherinnen und Besucher äusserten sich sehr erstaunt darüber, mit welcher Häufigkeit und Intensität in all den Jahrhunderten seit dem Ende der Eiszeit immer und immer wieder Menschen von ausserhalb in die heutige Schweiz eingewandert waren und dabei nach und nach kulturelle Elemente hierher gebracht hatten, von denen manche geglaubt hatte, sie wären „schon immer“ in der Schweiz vorhanden gewesen. Der eine oder die andere Besucher/in lernte damit eine unerwartet dynamische und durch Austausch geprägte Kulturgeschichte der Schweiz kennen; sie oder er wird unsere Geschichte nun unter einem anderen, farbigeren Licht sehen!

Montag, 18. April 2016

Reformen in der SNF-Projektförderung: Die Geisteswissenschaften im naturwissenschaftlichen Korsett?

Veranstaltung: Zur Diskussion: SNF-Projektförderung in den Geistes- und Sozialwissenschaften (7. April 2016). Ein Beitrag von Dr. Marlene Iseli

Während für die GSW die Berücksichtigung verschiedener Wissenschaftskulturen wichtig ist, scheinen die Trends in der Forschungsförderung in Richtung Vereinheitlichung und Gleichbehandlung zu gehen. Diese gegenläufigen Entwicklungen werden z.T. mit grosser Sorge beobachtet. Dabei wird nicht selten der Verdacht geäussert, dass man sich in der Forschungsförderung stark an den Naturwissenschaften orientiert. Auch bei den Reformen in der SNF-Projekt und Karriereförderung würden vorwiegend der ETH-Bereich und die Life Sciences profitieren, wobei gerade die Forschungspraxis der kleineren Fächer stark beeinflusst werden dürfte. Ist eine Orientierung an naturwissenschaftlichen Modellen tatsächlich erkennbar?  Einige – nicht abschliessende – Überlegungen dazu:

One person – one grant
Mit der neuen Regel one person one grant will der SNF Stellvertretergesuche vermeiden, die Frage des ownerships eines Projekts berichtigen, diversifizieren und legitimerweise einen realistischen Einsatz des Hauptantragstellers einfordern. Nur bei thematisch eindeutiger Abgrenzung kann man in der Ausnahme ein zweites Projekt beantragen. Bedeutet das nun, dass man dieses eine Projekt viel grösser gestalten soll – schliesslich gibt es für das Finanzierungsvolumen keine Obergrenze. Befeuert dies nicht zusätzlich die künstliche Portionierung von Forschungsinhalten, wie sie bereits mit der Projektförderung begünstig wird? Ist es nicht ist sinnvoll, dass grosse Themen mit verschiedenen Kleinprojekten angegangen werden? 

Caspar Hirschi zeigt Verständnis für diese Neuregelung. Das aktuelle System, dass seiner Meinung nach eine Postdoc-Blase mit enormen Folgeschäden generiert, verantwortet einen massiven Potenzialverschleiss sowie prekäre Karriereperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Projektförderung habe zu diesem enormen Stellenwachstum über die letzten Jahre beigetragen. Es stelle sich die Frage, ob denn one person one grant zwingend grössere Projekte heisse. Da müsse man halt ein Projekt nach dem anderen machen. Bis anhin war die Praxis, dass die Post-docs die Anträge schrieben, die sich dann von den Professoren angeeignet wurden. Das sei ein Missstand mit Blick auf das ownership.

Koppelung Immatrikulationszeitpunkt mit Beginn der Förderdauer von 4 Jahren
Die Ausdehnung der Projektförderung auf 4-Jahre sei im Grundsatz lobenswert, wird aber genau wegen dieser Regelung unterlaufen, so Virginia Richter. Es läge in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Wissenschaftskultur, als Doktorandin eben nicht in ein vordefiniertes Programm einzusteigen. Die selbständige Erarbeitung einer einschlägigen Fragestellung ist Teil der Forschungsleistung. Bei dieser Koppelung an den Immatrikulationszeitpunkt fehlt genau in der intensiven Schreibphase beim Abschluss der Doktorarbeit das Geld. 

Sinergia: Ausrichtung auf breakthrough research mit dem Prinzip high risk – high reward
Die wirklich grossen Fragen der Forschungsförderung werden von Jean-Jacques Aubert in seinem Einstiegsvotum adressiert und bleiben unbeantwortet: Kann eine nationale Politik, die die Wissensgesellschaft doch stark top-down im Zeichen von Innovation, breakthrough-research und Nutzensorientierung zu steuern versucht, die Wissensprozesse in diesem Sinne so stark kanalisieren? Ist Innovation nicht oft auch „le fruit du hasard“, der sich nicht einfach so erzwingen lässt? Ist grösster Wettbewerb immer der richtige Treiber für Bestleistungen, oder wäre eine Ermöglichungskultur mit dem notwendigen Vertrauen nicht elementar für eine nachhaltige Forschung? 

Gute Absichten und antizipierte unerwünschten Nebeneffekte
Zweifellos kann man mehreren Absichten der SNF-Reformen eine positive Komponente abgewinnen, aber die Berücksichtigung von den bisweilen stark unterschiedlichen Wissenschaftskulturen scheint an einem eher bescheidenen Ort. 

Der SNF ist sich den Befürchtungen der GSW jedoch bewusst. Man will die Effekte sorgfältig beobachten und ist offen für Anpassungen nach der Implementierung des Reglements. Der Ball liege nun bei den Universitäten. Wir verfolgen die weiteren Entwicklungen mit Interesse

Donnerstag, 7. April 2016

„Gab es denn Migration schon früher?“ fragt Melanie erschrocken (w, 23, CH)


Beitrag von Simon Kübler, Student an der Universität Basel

… Die Schweiz steht vor beunruhigenden Zeiten: fremde Menschen mit ungewohnten Sitten und Sprachen haben ihre Heimat verlassen und drängen in die Schweiz. Das geordnete Leben und der Reichtum der hier Lebenden sind bedroht – manche der Fremden stehlen, sind gewalttätig, achten die hier geltenden Gesetze nicht.

Ein Szenario aus dem Jahr 2016, von dem wir befürchten, dass es eintreffen könnte? Nein, es sind Schilderungen und Ängste, welche Menschen hier vor 1500 Jahren bewegten, wie Melanie nun erfährt. Wie vielen heute Lebenden ist ihr aber nicht bewusst, wie sehr Migration und die Ankunft Fremder mit eigener Kultur die Geschichte unseres Landes geprägt haben. Nein, Migration ist kein Phänomen der Moderne. In unserer Veranstaltung geben wir uns aber nicht mit einem „Das war schon immer so“ zufrieden und bieten Ihnen aus „erster Kelle“ die Informationen aus dem grössten Geschichtsbuch der Schweiz — dem Boden!

Die Archäologie untersucht Traditionen und neue Einflüsse. Sie zeigt damit die Migration aus einer ganz anderen Perspektive. Wir haben Passanten nach ihrem Wissen und ihren Ansichten befragt und stellen diese den aktuellsten Forschungsergebnissen gegenüber. Mit Dingen aus unserem täglichen Leben, mit Vorträgen und Infoständen, referiert und präsentiert von Studierenden der Universität Basel, zeichnen wir das heute gültige Bild von Tradition und Wechsel auf eine wissenschaftlich richtige, aber unterhaltsame Art.

Bei uns erfahren Sie, wie man mitunter die Heimat eines „fremden“ Skeletts findet und wie man dem Menschen eine Geschichte wiedergiebt. Sie können sich selbst als Forensiker der Vergangenheit betätigen, und sie lernen Methoden der naturwissenschaftlichen Archäologie kennen.

Zudem können Sie die Schweizer Geschichte erschnuppern und in Schweizer Tradition schlemmen, wortwörtlich! Unsere Gourmet-Köche bieten Ihnen „urschweizerische“ Speisen, die Sie auf der Zunge zergehen lassen können. Erfahren Sie selbst, wie bekömmlich die Auswirkungen der Migration sein können.

All das und vieles mehr finden Sie am Samstag, dem 16. April für Sie zubereitet und aufgetischt am Petersplatz in Basel. Die Studierende der Altertumswissenschaften der Universität Basel sowie Archäologie Schweiz heissen Sie herzlich willkommen!

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«Fremde Knochen in Schweizer Boden – Migration im Spiegel der Archäologie» – Organisiert und durchgeführt im Rahmen der SAGW-Veranstaltungsreihe „La suisse existe – la suisse n’existe pas“ von der Archäologie Schweiz und den Studierenden der Altertumswissenschaften der Universität Basel.

Mittwoch, 30. März 2016

Ist die Schweiz eine Utopie?


Beitrag von Sabine Eggmann, Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde

„Ein Glücksfall von einem Dokumentarfilm“ schreibt die NZZ in ihrer Replik auf den Film „Neuland“ von Anna Thommen. Darin wird gezeigt, wie eine Gruppe Jugendlicher – alle nicht in der Schweiz aufgewachsen – versucht, in der Schweiz neu Fuss zu fassen. Sie kommen aus Gegenden, wo sich ihnen keine Perspektive bietet, von wo sie flüchten mussten. Viele haben traumatische Erlebnisse hinter sich, einige vermissen ihre bisherige Umgebung, ihre Familien und Freunde, die Gefühle sind oft ambivalent. In dieser Situation erhalten sie Starthilfe von Seiten der Integrationsschulde beider Basel, die ihnen mit diversen „Brückenangeboten“ zur Seite stehen will.
Der pragmatische und realitätsnahe Lehrer ist unermüdlich in seinem Bemühen, seinen Schülerinnen und Schülern Vertrauen in die Zukunft zu geben. Er versucht mit den Neuankömmlingen zwei Jahre lang, die sprachlichen Grundlagen zu legen, den Anforderungen des schweizerischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkts nachzukommen, je eigene Zukunftsvisionen zu entwickeln und für alle eine Lehr- und Arbeitsstelle zu finden. Die eigenen Handlungsspielräume zu erkennen und möglichst immer wieder zu erweitern, zeigt sich dabei als Herausforderung für die dargestellten Jugendlichen, die auch die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst gut nachvollziehen können: sie alle leben in einer Gesellschaft, die die oft paradoxe Forderung stellt, gleichzeitig flexibel, dynamisch und international vernetzt sowie mit dem schweizerischen Lokalkolorit vertraut und mit einem spezifischen Ort verbunden zu sein.

Der Film zeigt sehr feinfühlig und deutlich, wie fragil diese Verortungsversuche sind. Manchmal – oder sogar oft – gelingen sie, manchmal auch nicht. Um den (neuen) Platz im Leben muss immer wieder gerungen werden, die Schweiz wird immer wieder mal zur Utopie...
Die Filmvorführung gibt die Gelegenheit, sich mit den aufgeworfenen Fragen auseinanderzusetzen sowie diese direkt mit der Filmemacherin zu diskutieren. Im Anschluss findet ein Apéro statt.

„Utopie Schweiz“, Filmvorführung „Neuland“ mit anschliessender Diskussion mit der Filmemacherin Anna Thommen, geführt von Dr. Silke Andris, 12.4.2016, 18.30 h, Kult.Kino Atelier, Theaterstrasse 7,  4051 Basel.


Organisiert und durchgeführt im Rahmen der SAGW-Veranstaltungsreihe „La suisse existe – la suisse n’existe pas“ von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde und der Sektion Basel der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde.



Mittwoch, 2. März 2016

It’s the humanities, stupid!

Par le site Internet abouthumanities.sagw.ch, l’Académie entend réagir aux critiques faites à l’encontre des sciences humaines. Dix-huit questions et réponses mettent en évidence les raisons pour lesquelles nous avons besoin des sciences humaines afin de résoudre des problèmes de société et de renforcer l’économie.




Tout allait bien jusqu’ici pour le fiston : de bonnes notes à l’école, des études au gymnase, la maturité – et puis ça! Voilà qu’il veut étudier la philosophie! Quelque chose de tellement théorique, idéaliste, sans perspective ! Celui qui ose s’engager dans des études en sciences humaines doit s’attendre à un fort vent contraire : il coûterait à l’Etat, sans rien lui donner en retour ; il agirait par égoïsme, alors que la société a besoin d’ingénieurs, et non de philosophes ; il serait trop paresseux, voire trop stupide pour faire de « vraies » études et surtout, il s’apprêterait à ne jamais trouver un emploi. Pourquoi donc de nombreux bacheliers se décident-ils pour des études en sciences humaines ? Ne trouvent-ils plus tard réellement aucune place de travail ? Ne contribuent-ils en rien au bien-être de la société ? Sur le site Internet abouthumanities.sagw.ch, l’Académie suisse des sciences humaines et sociales résume ce qu’il advient des praticiens des sciences humaines et comment ils contribuent à relever les défis de la société comme à renforcer l’économie.

Les sciences humaines dans la société
Le monde dans lequel nous vivons est marqué par des tensions politiques, religieuses, culturelles et économiques. La société se voit confrontée à des défis qui ne se laissent pas résoudre de façon purement technique, comme les changements climatiques irréversibles, la raréfaction des ressources, la faim, la migration et l’évolution démographique. S’il est indéniable que de nombreux aspects de notre vie s’expliquent par la technique et les sciences naturelles, le comportement humain est quant à lui influencé par des perceptions, des traditions, des cultures et des systèmes de valeurs. Comment celles-ci sont-elles conçues, voilà l’objet d’étude des sciences humaines.

Les sciences humaines dans l’économieEn raison de leur formation généraliste, l’entrée sur le marché du travail des diplômés en sciences humaines intervient un peu plus tard que pour les titulaires de diplômes dans des matières plus spécifiques. Selon les statistiques actuelles, le taux de chômage chez les diplômés en sciences humaines cinq ans après l’obtention du Master est toutefois inférieur à 3%, et donc plus bas que chez les diplômés en sciences naturelles. Les praticiens des sciences humaines travaillent par exemple comme porte-paroles, journalistes, conseillers, curateurs, guides touristiques, traducteurs, managers, chercheurs en tendances ou développeurs de produits. Ils sont flexibles sur le marché du travail, ce qui représente un avantage du point de vue économique, car le marché du travail évolue rapidement et il est difficile de prévoir avec certitude quelles formations seront demandées à moyen terme. De plus, les praticiens des sciences humaines, en tant qu’inspirateurs et innovateurs, ne sont guère touchés par l’automatisation du travail.

Il est tout à fait envisageable que les parents, dans quelques années, soupirent de soulagement lorsque leurs enfants se décideront pour des études de philosophie.

De plus amples informations sur les sciences humaines et leurs contributions se trouvent sous abouthumanities.sagw.ch