Donnerstag, 21. April 2016

„So viel Migration in allen Zeiten!“ ruft Melanie erstaunt(w, 23, CH)

Tagungsbericht über den Anlass vom 16. April 2016: «Fremde Knochen in Schweizer Boden? Migration im Spiegel der Archäologie»


Beitrag von Simon Kübler, Student an der Universität Basel


Und nicht nur sie: Über zweihundert Interessierte, vom dreijährigen Knirps bis zum über achtzigjährigen Greis, haben an der Veranstaltung „Fremde Knochen in Schweizer Boden?“ (Archäologie Schweiz/IPNA Uni Basel) die vielfältigen Informationen zum Thema „Migration im Spiegel der Archäologie“ förmlich aufgesogen. Studierende hatten die Vorgehensweise und die Resultate attraktiv und zugleich wissenschaftlich korrekt aufbereitet und dazu Infostände am Rand des samstäglichen Flohmarkts aufgebaut – ein Angebot, das viele Passantinnen und Passanten nutzten. Mit der schweigenden, aber wirkungsvollen Mitarbeit zweier künstlicher Skelette wurde ihnen die Spurensuche nach fremden Kultureinflüssen oder nach der Herkunft von Menschen dargelegt. In angeregten Gesprächen wurden an den Infoständen über die Herkunft der „ersten Europäer“ debattiert und die Erkenntnisse der Archäologie mit vielen Objekten illustriert. Vertieft wurde das Thema in Kurzvorträgen, die ebenfalls regen Anklang fanden.


Dass selbst als ur-schweizerisch taxierte Speisen nicht „schon immer“ in unserem Land vorhanden waren, lernten die Besucher/innen an einem weiteren Stand – und das nicht nur in Form trockener Erkenntnisse, sondern ganz direkt in Form von Olivenbrötchen, mit Honig verfeinertem Getreidebrei, kräutergewürztem Brotaufstrich und Rösti. Schnell wurde klar, dass die Römer mit ihren Nahrungsgewohnheiten, aber auch mit neu eingeführten Pflanzen wie dem Nussbaum, der Kirche , der Petersilie und vielen weiteren den Speiseplan der Schweiz sehr bereichert haben. Einen weiteren Sprung bewirkte die Entdeckung der neuen Welt, mit der sich ganz neue kulinarische Möglichkeiten aufgetan haben – Kartoffel, Tomate, Mais, Kakao sind erst seit jener Zeit hier bekannt.

In vielen unterschiedlichen Beispielen wurde veranschaulicht, dass Migration kein Phänomen der Moderne ist. So wurde erklärt, dass Spurenelemente in Knochen und Zähnen verraten, wo jemand aufgewachsen ist, ob er oder sie also einheimisch oder immigriert war. Die Reste alter DNA erlaubten es, die Heimat der ersten Bauern in Europa zu rekonstruieren.


Manche der Besucherinnen und Besucher äusserten sich sehr erstaunt darüber, mit welcher Häufigkeit und Intensität in all den Jahrhunderten seit dem Ende der Eiszeit immer und immer wieder Menschen von ausserhalb in die heutige Schweiz eingewandert waren und dabei nach und nach kulturelle Elemente hierher gebracht hatten, von denen manche geglaubt hatte, sie wären „schon immer“ in der Schweiz vorhanden gewesen. Der eine oder die andere Besucher/in lernte damit eine unerwartet dynamische und durch Austausch geprägte Kulturgeschichte der Schweiz kennen; sie oder er wird unsere Geschichte nun unter einem anderen, farbigeren Licht sehen!

Montag, 18. April 2016

Reformen in der SNF-Projektförderung: Die Geisteswissenschaften im naturwissenschaftlichen Korsett?

Veranstaltung: Zur Diskussion: SNF-Projektförderung in den Geistes- und Sozialwissenschaften (7. April 2016). Ein Beitrag von Dr. Marlene Iseli

Während für die GSW die Berücksichtigung verschiedener Wissenschaftskulturen wichtig ist, scheinen die Trends in der Forschungsförderung in Richtung Vereinheitlichung und Gleichbehandlung zu gehen. Diese gegenläufigen Entwicklungen werden z.T. mit grosser Sorge beobachtet. Dabei wird nicht selten der Verdacht geäussert, dass man sich in der Forschungsförderung stark an den Naturwissenschaften orientiert. Auch bei den Reformen in der SNF-Projekt und Karriereförderung würden vorwiegend der ETH-Bereich und die Life Sciences profitieren, wobei gerade die Forschungspraxis der kleineren Fächer stark beeinflusst werden dürfte. Ist eine Orientierung an naturwissenschaftlichen Modellen tatsächlich erkennbar?  Einige – nicht abschliessende – Überlegungen dazu:

One person – one grant
Mit der neuen Regel one person one grant will der SNF Stellvertretergesuche vermeiden, die Frage des ownerships eines Projekts berichtigen, diversifizieren und legitimerweise einen realistischen Einsatz des Hauptantragstellers einfordern. Nur bei thematisch eindeutiger Abgrenzung kann man in der Ausnahme ein zweites Projekt beantragen. Bedeutet das nun, dass man dieses eine Projekt viel grösser gestalten soll – schliesslich gibt es für das Finanzierungsvolumen keine Obergrenze. Befeuert dies nicht zusätzlich die künstliche Portionierung von Forschungsinhalten, wie sie bereits mit der Projektförderung begünstig wird? Ist es nicht ist sinnvoll, dass grosse Themen mit verschiedenen Kleinprojekten angegangen werden? 

Caspar Hirschi zeigt Verständnis für diese Neuregelung. Das aktuelle System, dass seiner Meinung nach eine Postdoc-Blase mit enormen Folgeschäden generiert, verantwortet einen massiven Potenzialverschleiss sowie prekäre Karriereperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Projektförderung habe zu diesem enormen Stellenwachstum über die letzten Jahre beigetragen. Es stelle sich die Frage, ob denn one person one grant zwingend grössere Projekte heisse. Da müsse man halt ein Projekt nach dem anderen machen. Bis anhin war die Praxis, dass die Post-docs die Anträge schrieben, die sich dann von den Professoren angeeignet wurden. Das sei ein Missstand mit Blick auf das ownership.

Koppelung Immatrikulationszeitpunkt mit Beginn der Förderdauer von 4 Jahren
Die Ausdehnung der Projektförderung auf 4-Jahre sei im Grundsatz lobenswert, wird aber genau wegen dieser Regelung unterlaufen, so Virginia Richter. Es läge in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Wissenschaftskultur, als Doktorandin eben nicht in ein vordefiniertes Programm einzusteigen. Die selbständige Erarbeitung einer einschlägigen Fragestellung ist Teil der Forschungsleistung. Bei dieser Koppelung an den Immatrikulationszeitpunkt fehlt genau in der intensiven Schreibphase beim Abschluss der Doktorarbeit das Geld. 

Sinergia: Ausrichtung auf breakthrough research mit dem Prinzip high risk – high reward
Die wirklich grossen Fragen der Forschungsförderung werden von Jean-Jacques Aubert in seinem Einstiegsvotum adressiert und bleiben unbeantwortet: Kann eine nationale Politik, die die Wissensgesellschaft doch stark top-down im Zeichen von Innovation, breakthrough-research und Nutzensorientierung zu steuern versucht, die Wissensprozesse in diesem Sinne so stark kanalisieren? Ist Innovation nicht oft auch „le fruit du hasard“, der sich nicht einfach so erzwingen lässt? Ist grösster Wettbewerb immer der richtige Treiber für Bestleistungen, oder wäre eine Ermöglichungskultur mit dem notwendigen Vertrauen nicht elementar für eine nachhaltige Forschung? 

Gute Absichten und antizipierte unerwünschten Nebeneffekte
Zweifellos kann man mehreren Absichten der SNF-Reformen eine positive Komponente abgewinnen, aber die Berücksichtigung von den bisweilen stark unterschiedlichen Wissenschaftskulturen scheint an einem eher bescheidenen Ort. 

Der SNF ist sich den Befürchtungen der GSW jedoch bewusst. Man will die Effekte sorgfältig beobachten und ist offen für Anpassungen nach der Implementierung des Reglements. Der Ball liege nun bei den Universitäten. Wir verfolgen die weiteren Entwicklungen mit Interesse

Donnerstag, 7. April 2016

„Gab es denn Migration schon früher?“ fragt Melanie erschrocken (w, 23, CH)


Beitrag von Simon Kübler, Student an der Universität Basel

… Die Schweiz steht vor beunruhigenden Zeiten: fremde Menschen mit ungewohnten Sitten und Sprachen haben ihre Heimat verlassen und drängen in die Schweiz. Das geordnete Leben und der Reichtum der hier Lebenden sind bedroht – manche der Fremden stehlen, sind gewalttätig, achten die hier geltenden Gesetze nicht.

Ein Szenario aus dem Jahr 2016, von dem wir befürchten, dass es eintreffen könnte? Nein, es sind Schilderungen und Ängste, welche Menschen hier vor 1500 Jahren bewegten, wie Melanie nun erfährt. Wie vielen heute Lebenden ist ihr aber nicht bewusst, wie sehr Migration und die Ankunft Fremder mit eigener Kultur die Geschichte unseres Landes geprägt haben. Nein, Migration ist kein Phänomen der Moderne. In unserer Veranstaltung geben wir uns aber nicht mit einem „Das war schon immer so“ zufrieden und bieten Ihnen aus „erster Kelle“ die Informationen aus dem grössten Geschichtsbuch der Schweiz — dem Boden!

Die Archäologie untersucht Traditionen und neue Einflüsse. Sie zeigt damit die Migration aus einer ganz anderen Perspektive. Wir haben Passanten nach ihrem Wissen und ihren Ansichten befragt und stellen diese den aktuellsten Forschungsergebnissen gegenüber. Mit Dingen aus unserem täglichen Leben, mit Vorträgen und Infoständen, referiert und präsentiert von Studierenden der Universität Basel, zeichnen wir das heute gültige Bild von Tradition und Wechsel auf eine wissenschaftlich richtige, aber unterhaltsame Art.

Bei uns erfahren Sie, wie man mitunter die Heimat eines „fremden“ Skeletts findet und wie man dem Menschen eine Geschichte wiedergiebt. Sie können sich selbst als Forensiker der Vergangenheit betätigen, und sie lernen Methoden der naturwissenschaftlichen Archäologie kennen.

Zudem können Sie die Schweizer Geschichte erschnuppern und in Schweizer Tradition schlemmen, wortwörtlich! Unsere Gourmet-Köche bieten Ihnen „urschweizerische“ Speisen, die Sie auf der Zunge zergehen lassen können. Erfahren Sie selbst, wie bekömmlich die Auswirkungen der Migration sein können.

All das und vieles mehr finden Sie am Samstag, dem 16. April für Sie zubereitet und aufgetischt am Petersplatz in Basel. Die Studierende der Altertumswissenschaften der Universität Basel sowie Archäologie Schweiz heissen Sie herzlich willkommen!

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«Fremde Knochen in Schweizer Boden – Migration im Spiegel der Archäologie» – Organisiert und durchgeführt im Rahmen der SAGW-Veranstaltungsreihe „La suisse existe – la suisse n’existe pas“ von der Archäologie Schweiz und den Studierenden der Altertumswissenschaften der Universität Basel.

Mittwoch, 30. März 2016

Ist die Schweiz eine Utopie?


Beitrag von Sabine Eggmann, Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde

„Ein Glücksfall von einem Dokumentarfilm“ schreibt die NZZ in ihrer Replik auf den Film „Neuland“ von Anna Thommen. Darin wird gezeigt, wie eine Gruppe Jugendlicher – alle nicht in der Schweiz aufgewachsen – versucht, in der Schweiz neu Fuss zu fassen. Sie kommen aus Gegenden, wo sich ihnen keine Perspektive bietet, von wo sie flüchten mussten. Viele haben traumatische Erlebnisse hinter sich, einige vermissen ihre bisherige Umgebung, ihre Familien und Freunde, die Gefühle sind oft ambivalent. In dieser Situation erhalten sie Starthilfe von Seiten der Integrationsschulde beider Basel, die ihnen mit diversen „Brückenangeboten“ zur Seite stehen will.
Der pragmatische und realitätsnahe Lehrer ist unermüdlich in seinem Bemühen, seinen Schülerinnen und Schülern Vertrauen in die Zukunft zu geben. Er versucht mit den Neuankömmlingen zwei Jahre lang, die sprachlichen Grundlagen zu legen, den Anforderungen des schweizerischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkts nachzukommen, je eigene Zukunftsvisionen zu entwickeln und für alle eine Lehr- und Arbeitsstelle zu finden. Die eigenen Handlungsspielräume zu erkennen und möglichst immer wieder zu erweitern, zeigt sich dabei als Herausforderung für die dargestellten Jugendlichen, die auch die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst gut nachvollziehen können: sie alle leben in einer Gesellschaft, die die oft paradoxe Forderung stellt, gleichzeitig flexibel, dynamisch und international vernetzt sowie mit dem schweizerischen Lokalkolorit vertraut und mit einem spezifischen Ort verbunden zu sein.

Der Film zeigt sehr feinfühlig und deutlich, wie fragil diese Verortungsversuche sind. Manchmal – oder sogar oft – gelingen sie, manchmal auch nicht. Um den (neuen) Platz im Leben muss immer wieder gerungen werden, die Schweiz wird immer wieder mal zur Utopie...
Die Filmvorführung gibt die Gelegenheit, sich mit den aufgeworfenen Fragen auseinanderzusetzen sowie diese direkt mit der Filmemacherin zu diskutieren. Im Anschluss findet ein Apéro statt.

„Utopie Schweiz“, Filmvorführung „Neuland“ mit anschliessender Diskussion mit der Filmemacherin Anna Thommen, geführt von Dr. Silke Andris, 12.4.2016, 18.30 h, Kult.Kino Atelier, Theaterstrasse 7,  4051 Basel.


Organisiert und durchgeführt im Rahmen der SAGW-Veranstaltungsreihe „La suisse existe – la suisse n’existe pas“ von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde und der Sektion Basel der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde.



Mittwoch, 2. März 2016

It’s the humanities, stupid!

Par le site Internet abouthumanities.sagw.ch, l’Académie entend réagir aux critiques faites à l’encontre des sciences humaines. Dix-huit questions et réponses mettent en évidence les raisons pour lesquelles nous avons besoin des sciences humaines afin de résoudre des problèmes de société et de renforcer l’économie.




Tout allait bien jusqu’ici pour le fiston : de bonnes notes à l’école, des études au gymnase, la maturité – et puis ça! Voilà qu’il veut étudier la philosophie! Quelque chose de tellement théorique, idéaliste, sans perspective ! Celui qui ose s’engager dans des études en sciences humaines doit s’attendre à un fort vent contraire : il coûterait à l’Etat, sans rien lui donner en retour ; il agirait par égoïsme, alors que la société a besoin d’ingénieurs, et non de philosophes ; il serait trop paresseux, voire trop stupide pour faire de « vraies » études et surtout, il s’apprêterait à ne jamais trouver un emploi. Pourquoi donc de nombreux bacheliers se décident-ils pour des études en sciences humaines ? Ne trouvent-ils plus tard réellement aucune place de travail ? Ne contribuent-ils en rien au bien-être de la société ? Sur le site Internet abouthumanities.sagw.ch, l’Académie suisse des sciences humaines et sociales résume ce qu’il advient des praticiens des sciences humaines et comment ils contribuent à relever les défis de la société comme à renforcer l’économie.

Les sciences humaines dans la société
Le monde dans lequel nous vivons est marqué par des tensions politiques, religieuses, culturelles et économiques. La société se voit confrontée à des défis qui ne se laissent pas résoudre de façon purement technique, comme les changements climatiques irréversibles, la raréfaction des ressources, la faim, la migration et l’évolution démographique. S’il est indéniable que de nombreux aspects de notre vie s’expliquent par la technique et les sciences naturelles, le comportement humain est quant à lui influencé par des perceptions, des traditions, des cultures et des systèmes de valeurs. Comment celles-ci sont-elles conçues, voilà l’objet d’étude des sciences humaines.

Les sciences humaines dans l’économieEn raison de leur formation généraliste, l’entrée sur le marché du travail des diplômés en sciences humaines intervient un peu plus tard que pour les titulaires de diplômes dans des matières plus spécifiques. Selon les statistiques actuelles, le taux de chômage chez les diplômés en sciences humaines cinq ans après l’obtention du Master est toutefois inférieur à 3%, et donc plus bas que chez les diplômés en sciences naturelles. Les praticiens des sciences humaines travaillent par exemple comme porte-paroles, journalistes, conseillers, curateurs, guides touristiques, traducteurs, managers, chercheurs en tendances ou développeurs de produits. Ils sont flexibles sur le marché du travail, ce qui représente un avantage du point de vue économique, car le marché du travail évolue rapidement et il est difficile de prévoir avec certitude quelles formations seront demandées à moyen terme. De plus, les praticiens des sciences humaines, en tant qu’inspirateurs et innovateurs, ne sont guère touchés par l’automatisation du travail.

Il est tout à fait envisageable que les parents, dans quelques années, soupirent de soulagement lorsque leurs enfants se décideront pour des études de philosophie.

De plus amples informations sur les sciences humaines et leurs contributions se trouvent sous abouthumanities.sagw.ch

Donnerstag, 19. November 2015

MOOCs in den Geisteswissenschaften – Erfahrungen aus der Skandinavistik

Beitrag von Jürg Glauser und Sandra Schneeberger, Universität Zürich

„Massive Open Online Courses“ (MOOCs) polarisieren: einerseits gepriesen als Möglichkeit freier Bildung für alle, andererseits als die Universitäten bedrohendes Geschäftsmodell kritisiert. 

MOOCs stammen aus den Computer- und Naturwissenschaften, wo es auch die meisten Angebote gibt. Zwar entstehen immer mehr geisteswissenschaftliche MOOCs, allerdings ist die gängige Meinung, die Inhalte dieser Disziplinen seien nicht auf Videosequenzen und Multiple Choice-Test reduzierbar.  Komplexes Denken und die geistige Tätigkeit des Verstehens liessen sich mit der digitalen Technologie nicht vermitteln.

Die Skandinavistik der Universität Zürich wagte es trotzdem und bot im Frühling 2015 den ersten MOOC an. Über 10'000 Teilnehmer aus aller Welt meldeten sich für „Sagas and Space – Thinking Space in Viking Age and Medieval Scandinavia“ an. Während acht Wochen wurde das aktuelle Thema des Raums in Videovorlesungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln präsentiert. Aufbereitete Literatur wurde zur Verfügung gestellt, es gab individuelle Lernkontrollen in Form von Quizzes sowie kollaborative Diskussionsaufgaben in den Foren. Die Gestaltung der Aufgaben war anspruchsvoll, da für die Teilnahme keine Vorkenntnisse erforderlich sind. Direkt zu den Videos gehörende Multiple-Choice-Fragen und komplexere Diskussionsaufgaben, die sich auf das Quellenmaterial bezogen, versuchten den unterschiedlichen Wissensständen gerecht zu werden. Die Resonanz auf ein derart spezifisches Thema war in der Tat massiv. Knapp 3000 Diskussionsbeiträge machten die Forumsmoderation zur zeitintensiven Aufgabe. Die Teilnehmer lobten den direkten Kontakt mit den Dozenten und auch unter den Peers ergaben sich fruchtbare Diskussionen. Mit aufwändiger Einarbeitung in das E-Learning konnte das diskursive Element der Geisteswissenschaften aber durchaus online umgesetzt werden.

Für die eigenen Studierenden war die Teilnahme am MOOC jedoch nicht interessant, da die Anrechenbarkeit in ECTS-Punkte nicht gegeben war. Deshalb fand vorgängig ein Seminar statt, in dem Inhalte für den Onlinekurs erarbeitet wurden. Es entstanden Essays, Link-Sammlungen, Übersetzungen altnordischer Texte und auch ein Videobeitrag. Klassische Leistungsnachweise so offen zu denken, erforderte nahe Betreuung der Studierenden, führte aber zu sehr kreativen Beiträgen.


Aus Sicht der Skandinavistik ist das Experiment MOOC gelungen. Gerade für ein kleines geisteswissenschaftliches Fach kann es interessant sein, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und mit einer engagierten Online-Community in Kontakt zu treten.  Die Inhalte müssen aber auf die neue Umgebung angepasst und für eine Zielgruppe massgeschneidert sein. Das kostet Zeit und Geld. Und das ist anspruchsvoll für alle Fächer, egal ob Geistes- oder Naturwissenschaften.


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Im Bulletin 4/15 ist ein Interview mit Jürg Glauser und Sandra Schneeberger abgedruckt. Das SAGW- Bulletin finden Sie hier

Mittwoch, 11. November 2015

Une Suisse qui s’invente en puisant chez ses voisins

Article paru dans Le Temps du 6 novembre 2015, « Perspective », p. 14.
Claire Jaquier, Professeure à l’Université de Neuchâtel et Présidente de la Société suisse pour l’étude du 18e siècle

Schweizerisch, suisse, helvète, helvétique, helvétien : le mot est partout dans les titres de recueils de poèmes, de traités ou de journaux publiés en Suisse au 18e siècle. En revanche, le mot helvétisme ne fait pas partie du vocabulaire du siècle des Lumières, pour la bonne raison que le concept naît au début du 20e  siècle, à l’initiative de l’historien fribourgeois Gonzague de Reynold, qui désigne par ce terme l’émergence de la conscience nationale dans la Suisse d’Ancien Régime. Teinté des valeurs identitaires et patriotiques que lui insuffle son auteur, l’helvétisme projeté sur la Suisse des Lumières sert pendant l’entre‐ deux‐guerres une mouvance idéologique qui se caractérise par son antidémocratisme, son refus de l’étranger, son nationalisme défensif et sécuritaire.
La Société Helvétique fondée à Schinznach en 1761‐1762 n’a pas d’ambition proprement politique : ses membres – historiens, philosophes, poètes, savants– représentent les sciences humaines de l’époque. Ils délibèrent sur les moyens de faire progresser les Lumières, de susciter des réformes concrètes et de renforcer l’entente entre Confédérés. L’helvétisme du 18e siècle constitue un laboratoire où se forgent les traits de civilisation qui font l’unité du pays. Cette unité cependant tient moins à une identité forte qu’au rôle que les grandes puissances européennes assignent à la Suisse : afin qu’aucune d’elles ne prenne le contrôle des passages alpins, elles ont intérêt à préserver l’indépendance  de ce  espace de transit. La  Suisse intelligemment su profiter de cet équilibre des forces, comme le montre André Holenstein dans son livre Mitten in Europa. Verflechtung und Abgrenzung in der Schweizer Geschichte (voir Le Temps, 7 février 2015), rappelant que notre pays est la seule petite république qui survive, en Europe, aux guerres napoléoniennes. Ces circonstances géopolitiques ne font pas tout, et des œuvres au succès européen confortent et légitiment l’idée d’unité et d’indépendance nationales : les Lettres sur les Français et les Anglais de Béat de Muralt, Les Alpes d’Albert de Haller, les Idylles de Salomon Gessner, La Nouvelle Héloïse de Rousseau. Consacrées par l’histoire littéraire, ces œuvres offrent les briques du grand récit national: la simplicité rustique, l’économie pastorale, les vertus républicaines – modération et travail –, la robustesse de l’homo alpinus et son refus du luxe sont autant de caractères d’une identité pensée en termes de démarcation et de différence.

La recherche dix‐huitiémiste, depuis une vingtaine d’années, porte son attention au‐ delà de ces œuvres‐phares : des sources nouvelles montrent que le récit identitaire de la Suisse s’est souvent écrit dans l’intertexte de la culture européenne, par entrelacement d’emprunts,  par  appropriation  de  modèles  ou  d’images  issus  des  cultures  étrangères voisines. Le processus dialectique qu’André Holenstein décrit en termes d’interactions et de démarcation, Timothée Léchot – dans un livre à paraître à la Librairie Droz, Ayons aussi une poésie nationale, consacré à l’émergence de la poésie suisse en langue française entre 1730 et 1830 – l’éclaire en soulignant l’attraction qu’exercent les grands centres culturels européens,  contrebalancée  par  un  ralliement  autour  des  valeurs  locales.  Le  Genevois François Vernes, par exemple, joue habilement de cette double tension dans La Franciade (1789), poème épique en prose qui invente une France de fiction dont la région lémanique est le centre. La recherche récente remarque par ailleurs la lucidité de certains auteurs, observant avec humour ou ironie la situation de cette Suisse qui se forge une conscience de soi en bricolant matériaux indigènes, stéréotypes à la mode et projections issues de l’étranger. Conscient de la domination des auteurs étrangers et de sa position périphérique, l’homme de lettres bernois et francophone Samuel Henzi use ainsi de la satire et de l’auto‐ dérision pour brosser le portrait du poète suisse aspirant sans espoir, au pays des sapins, à être couronné de lauriers.

Loin d’offrir un stock homogène de représentations identitaires fondatrices, ce qu’on nomme encore l’helvétisme du 18e  siècle se révèle être un processus dynamique et relationnel d’affirmation de soi : une culture savante et littéraire se développe en jouant sa partie dans la circulation européenne des livres, des traductions et des idées, tout en faisant valoir ses particularismes. C’est cette culture‐là des Lumières que la Société suisse pour l’étude du 18e  siècle promeut et soutient. Dans le cadre de la série de manifestations lancée par l’Académie suisse des sciences humaines et sociales sous le titre « La Suisse existe, la Suisse n’existe pas », elle propose le 11 novembre prochain à Berne une rencontre publique sur le thème suivant : « Inventer/découvrir la Suisse. L’helvétisme du 18e  siècle comme laboratoire de la
nation ».

 Coordonnées de la rencontre :
« Inventer/découvrir la Suisse. L’helvétisme du 18e siècle comme laboratoire de la nation ». Conférence d’André Holenstein, suivie d’une table ronde. Université de Berne, Hauptgebäude, Hochschulstr. 4, Kuppelsaal, 17 h. 30.

Liens:
Société suisse pour l’étude du 18e siècle
Manifestations de l’Académie suisse des sciences humaines autour du thème « La Suisse existe – La Suisse n’existe pas »
Livre d’André Holenstein «Mitten in Europa»
Livre de Christophe Büchi  «Mariage de raisons»